Martin Frauchiger

Hast du das Gefühl, dass du ein besserer Autor wärst, wenn du beim Schreiben glitzernde Socken tragen würdest?

 

Nein, bei Socken bin ich genügsam und sie beeinflussen meine Arbeit kaum. Das weiss ich von folgender wahren Anekdote. Und zwar erreichen meine Socken zuweilen einen Zustand in dem es technisches Versagen gibt. Das heisst ich ziehe sie am Morgen ohne Loch an und später haben sie doch ein Loch. Da ich nicht gerne den ganzen Tag über Schuhe anhabe, trage ich in meinem Beruf ESD-geschützte Birkenstöcke. Da ist dann überdeutlich sichtbar, wenn eine Socke versagt und eine Zehe raus-guckt. Ist mir schon passiert an einem Tag, an dem ich ein wichtiges Meeting mit einem Kunden hatte. Ich konnte schlecht meine Zehe dem Kunden zuwinken lassen, also habe ich das Loch mit einem Bostitch behelfsmässig geflickt. Und siehe da, das Meeting verlief gut. Also ob mit oder ohne Loch oder glitzernd, ich denke ich bin nicht sockensensibel.

 

 

Welche Themen beschäftigen dich momentan beim Schreiben?

 

Dauerbrenner ist bei mir das Weltall, ich mag Science Fiction.
Naja, vielleicht wäre es gut mal ein anderes Genre zu versuchen. Weil ich oft zu viel Science in meiner Geschichte möchte und das Hauptproblem des Weltalls ist, es ist viel zu gross. Ehrlich gesagt, ist es nicht interessant, wenn man ein Raumschiff auf den Weg schickt und es ist dann mal 12'000 Jahre unterwegs ist. Die richtige Balance zwischen wissenschaftlich korrekten Regeln und einem fiktiven Regelwerk für Geschichten habe ich noch nicht gefunden.

 

 

Welche Farben, Geräusche oder Gerüche verbinden dich mit deiner Kreativität?

 

Fahrgeräusche. Ob im Auto oder im Zug unterwegs, das gibt oft etwas Freiraum für das Hirn. Und ich habe häufig gute Ideen in diesem «halb-idle» Modus. Auch die Dusche gehört dazu.

 

 

Wie würde dein innerer Kritiker heissen, wenn er eine Figur wäre?

 

Ich denke im ersten Durchgang sollte der innere Kritiker weggelassen werden. Der meldet sich dann schon beim durcharbeiten. Und ja, ich denke es macht Sinn eine Geschichte nochmals zu überarbeiten und das auch nochmals mit etwas zeitlichem Abstand. Nur sagt sich das sehr leicht, wenn man nicht publizieren muss. Aber einen Namen oder eine passende Figur für ihn habe ich nicht.

 

 

Was würde passieren, wenn deine Geschichten Wirklichkeit würden?

 

Das wäre toll, die Menschheit wäre dann eine interstellare Spezies.

 

 

Wie viele Wörter pro Tag schreibst du nicht, weil du Angst vor ihnen hast?

 

Angst vor Wörtern ist bei mir das kleinste Problem. Die Hürde ist eher Rechtschreibung oder aktiver Wortschatz. So hätte bei den Socken sicher «unprätentiös» statt genügsam gepasst. Aber dazu müsste mir das Wort erst in den Sinn kommen und dann müsst ich mal raten wie man das denn auch schreibt.

 

 

Wenn du eine Schreibblockade wärst - wie würdest du dich selbst überlisten?

 

Ich würde mich auf der einen Seite mit einem technischen Problem oder Gadget ablenken und dann unbemerkt auf der anderen Seite vorbei-schleichen.

 

 

Wenn Worte Musik wären: Welche Melodie würde deine Bücher begleiten?

 

Wenn ich wünschen kann, dann gerne wie Pipeline von The Alan Parsons Project. Sehr rund und harmonisch, ohne störende Vocals viel synthetisch, aber trotzdem mit echten Instrumenten. Passt zu einer technischen Umgebung in einem Raumschiff in dem letztlich doch die Menschen die Geschichte ausmachen.

 

 

Wenn du ein Kapitel ohne Worte schreiben müsstest - wie würdest du es erzählen?

 

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(Hier stand ursprünglich "Ohne Worte", aber irgendwo im Gewusel des Zwischenspeicherns ist wohl etwas schiefgelaufen: Work in progress)

 

 

Was ist das verwegenste, was du je in einem Buch versucht hast?

 

Die Idee Menschen einzufrieren halte ich für ziemlich gewagt und ich habe meine gesamte Crew in den Kryoschlaf geschickt.